Lund
Lund
Foto: Rike WeberAutorin: Rike Weber, Erasmusaufenthalt 2017-2018
Vorbereitungen
Nach meinem ersten Masterjahr in Biochemie mit viel Lernaufwand und Stress war für mich klar, dass ich eine Auszeit brauchte, um mir über meine Interessen klar zu werden und neue Erfahrungen zu machen. Ein Erasmusjahr in Schweden schien mich daher genau das richtige. Außerdem gefiel mir das Angebot an ökologisch orientierten Kursen in Lund. Ich habe mich also für Lund als erste Priorität beworben und den Platz dort glücklicherweise auch bekommen. Die Organisation der Universität Lund war super. Man wurde "step by step" durch den Bewerbungsprozess geführt und die Kursbewerbung verlief auch reibungslos und ich bekam alle Kurse, die ich wollte.
Unterkunft ist in Lund ein großes Thema, da es viel zu wenig Wohnungsraum gibt. Ich habe mich für Studentenwohnheime beworben (allerdings nichts bekommen) aber gleichzeitig privat via Facebook-Gruppen und BoPoolen herumgefragt. Ich hatte das Glück privat ein Zimmer in einem Haus ca. 10 min von der Innenstadt zu ergattern, in dem ich mit 3 weiteren Studierenden wohne und mich sehr wohl fühle. Wir haben einen wunderschönen großen Garten, Apfelbaum und viel Platz um Gemüse anzubauen.
Auch die Ankunft in Lund war sehr gut organisiert. Es gab einen "Arrival Day" an dem es von oientierungslosen StudentInnen nur so wimmelte, der aber sehr gut organisiert war und einen erfolgreich durch die ganzen Registrierungs- und Immatrikulationsprozesse gebracht hat. Anschließend gab es zwei Orientierungswochen mit vielen Angeboten, Aktionen und Partys sodass es kein Problem war, Leute kennenzulernen und sich direkt wohl zu fühlen. Man wurde auch einer Mentorengruppe zugewiesen, mit der man anfangs viel zusammen machen konnte. Es ist für jeden was dabei.
Eine große Besonderheit in Lund sind außerdem die Nations, die fast das ganze Studentenleben organisieren. Es gibt 13 und man zahlt einen Mitgliedsbeitrag (an eine Überorganisation aller Nations) und kann dann einer beitreten, allerdings an Aktivitäten aller Nations teilnehmen und mitgestalten.
Lund
Foto: Rike WeberUnialltag
Mein Unialltag hier unterscheidet sich stark von dem in Jena. Das Semester ist hier in 2 Perioden eingeteilt, in der ich jeweils einen 15 ECTS Kurs belegt habe. Die Kurse gehen ca. 8 Wochen und sind mit Vorlesungen, Labor und Exkursionen gefüllt, wobei den theoretischen Vorlesungen direkt praktische Laborarbeit oder Exkursionen folgen. Ich habe die Kurse "Limnology", "Ecotoxicology" "Applied Ecotoxicology" und "Water Management" gewählt und war sehr zufrieden damit. Man hatte jeden Tag Uni, oft auch bis nachmittags, allerdings wurde die Zeit für Protokolle, Hausarbeiten, Präsentationen oder Lernen mit einkalkuliert, sodass abendliches schreiben oder nächtliche Lernperioden komplett ausfielen und man nach der Uni viel Zeit für Hobbies und FreundInnen hatte. Am Ende des Kurses gab es dann eine Klausur. Da man sich aber die 8 Wochen davor ausschließlich mit dem Thema beschäftigt hatte, musste man dafür nur relativ wenig lernen. Auch die Atmosphäre zwischen Lehrenden und Studierenden gefiel mir sehr gut. Es wird nur beim Vornamen genannt und geduzt, die ProfessorInnen nehmen sich viel Zeit um Hausarbeiten oder Protokolle zu lesen und zu besprechen. Auch Auswendiglernen steht hier weniger im Vordergrund, stattdessen habe ich viel über wissenschaftliches Schreiben, und praktisches Anwenden gelernt, was mir sehr gut gefallen hat. Ich hatte nie das Gefühl, unter Druck zu stehen und habe doch viel dazugelernt. Der Großteil der Arbeit in den Kursen bestand aus Gruppenarbeiten, was ich von Deutschland nicht gewohnt war, mir aber sehr viel Spaß gemacht hat. Man hat immer neue, interessante Leute kennengelernt und viel über die Arbeit in Gruppen, Kompromissbereitschaft etc. gelernt.
Außerdem ist gemeinsames Mittagessen (zumindest im Ökologiegebäude) mit Kommilitonen ein Muss. Jeder bringt sein Essen von daheim mit und es gibt Küchen, in denen StudentInnen ihr Essen aufwärmen oder Kaffee und Tee machen können.
Auch die Studienorganisatoren und das Prüfungsamt sind super freundlich und haben mir bei jedem Problem geholfen.
Insgesamt fühle ich mich an der Uni sehr aufgehoben!!
Freizeit
Wie oben schon erwähnt, wohne ich mit 4 StudentInnen in einem alten Haus am Rande von Lund. Es ist wunderschön und ich liebe das Gemeinschaftsleben hier. Wir kochen, gärtnern, grillen, feiern oder lernen zusammen und ich fühle mich sehr wohl!
Generell lernt man am Anfang des Aufenthalts, besonders in den Orientierungswochen unglaublich viele internationale Leute kennen. Mir persönlich war es oft ein bisschen zu viel, sodass ich nicht an allzu vielen Aktionen teilgenommen habe. Stattdessen habe ich angefangen im Verein Wasserball zu spielen mich bei verschiedenen Organisationen zu engagieren. Dabei habe ich viele wunderbare Leute kennengelernt und schöne Erfahrungen gemacht. Außerdem habe ich tagsüber meistens von 9-2 Uni, danach aber Zeit für Freunde und Hobbies.
Ich hatte das Gefühl, sich Zeit für Hobbies und Freunde zu nehmen wurde hier von der Uni gefördert und das Ausbleiben von Hard-Core Lernphasen, sondern ein konstantes Pensum an Lernaufwand tat mir sehr gut.
Lund selbst ist eine unglaublich schöne Stadt mit vielen Facetten und einer wunderbaren Atmosphäre. Für Großstadt-Menschen ist Malmö oder Kopenhagen nicht weit, für Natur-Liebende (wie mich) gibt es wunderbare Wanderwege und Angebote überall um Lund herum. Ich genieße die letzten Tage hier und kann nur jedem empfehlen, hier seinen Austausch zu machen. Falls ihr irgendwelche Fragen habt, könnt ihr euch gern bei mir melden (weber.rike@web.de).