Oslo2

Autor: Peter Bohm

Als ich am 12. August 2016 zum Meet and Greet in Oslo ankam, wurde ich von einer Gruppe Studenten der Universität Oslo herzlich empfangen und vom Hauptbahnhof zum Campus Blindern begleitet. Dort ist SiO ansässig, die Organisation, welche unter anderem die Wohnheime verwaltet. Der Mitarbeiter, bei dem ich meine Schüssel für die Wohnung abholte, war super nett. Ich konnte zwischen drei Preisangeboten für ein Zimmer wählen und mir anschließend die Anzahl der Mitbewohner, das Stockwerk und sogar die Ausrichtung des Zimmers aussuchen.

An meiner Adresse angekommen, fand ich eine nagelneu renovierte Wohnung vor. Mein Zimmer war relativ überschaubar, jedoch wurde das durch die riesige Küche mit großzügiger Kochinsel wieder wettgemacht. Nach und nach lernte ich meine sieben Mitbewohner kennen, die bis auf eine Deutsche alle aus verschiedenen englischsprachigen Ländern kamen (generell waren allerdings deutsche Austauschstudenten in Oslo sehr stark vertreten). Direkt neben meinem Gebäude befand sich ein kleiner Supermarkt, der beinahe rund um die Uhr geöffnet hatte und für den schnellen Einkauf spätabends perfekt war.

Obwohl ich als Erstwunsch Kringsjå (größte Studentenwohnsiedlung in Oslo) angegeben hatte, kam ich in die Wohnung nach Sogn (zweitgrößte Studentenwohnsiedlung). Allerdings stellte sich sehr bald heraus, dass mir dies sogar besser gefiel. So fahren beispielsweise mehr Bahnen nach Sogn als nach Kringsjå, der Campus ist nähergelegen und die meisten Leute, die ich in der buddy week kennenlernte, wohnten ebenfalls in Sogn. Andererseits ist man von Kringsjå aus schneller am See und im Wald. Auch die Wahl, mit sieben Studenten zusammen zu wohnen bereute ich nicht. Im Gegenteil, dadurch war sehr viel Leben in der WG und auch mit den Studenten aus den zwei weiteren Wohnungen im Gebäude wurde oft zusammen etwas unternommen wie z.B. ein internationales Abendessen oder eine Wandertour zum Vettakollen.

Wie auch Swen, der das Jahr vor mir in Oslo war, besuchte ich den 60 Stunden umfassenden Norwegischkurs (auf seine Empfehlung hin bei Kate Rasch, die wirklich eine unschlagbar nette und motivierte Norwegischlehrerin ist). Da Toxikologie in Jena nicht angeboten wird, belegte ich zusätzlich General Toxicology und Human Toxicology. Der Arbeitsaufwand dieser Kurse hält sich in Grenzen; man lernt die grundlegenden Aspekte der Toxikologie kennen und betrachtet alles aus einem Blickwinkel, der sehr stark die Umwelt und Ökosysteme im Fokus hat. In jedem der drei Kurse muss eine Klausur geschrieben und ein Vortrag gehalten werden. Besonders der Norwegischkurs ist spannend und macht mit der Lehrerin und den vielen internationalen Studenten sehr viel Spaß - ein Muss!

Von meinem Wohnheim aus ist der Campus insgesamt etwa gleich schnell mit der Bahn oder zu Fuß zu erreichen (15 Min.). Besonders hilfreich sind die (ungefähr) 100 Freikopien, die man z.B. in der naturwissenschaftlichen Bibliothek mit seinem Studentenausweis nutzen kann. Ebenfalls auf dem Campus findet man eines der fünf SiO-Sportzentren Athletica, das für Studenten relativ günstig ist und sehr viele Möglichkeiten und Kurse zur sportlichen Betätigung anbietet. Alternativ kann man sich bei einer Student Association anmelden, um z.B. seine Lieblingssportart auszuüben oder zusammen Ausflüge zu unternehmen.

Zum Stichwort Ausflug: Wenn man schon einmal in Norwegen ist, sollte man sich das Land mit der unbeschreiblichen Natur anschauen! Leute mit denen man mal ein Wochenende auf Wandertour gehen kann findet man immer - so gut wie jeder möchte mal ein Bild von Trolltunga machen, oder nach Stavanger fliegen. In Stavanger kann man sich z.B. an dem einen Tag wagemutig auf den Kjeragbolten stellen und am nächsten Tag auf dem Preikestolen gemütlich picknicken und die atemberaubende Aussicht genießen. Wer lieber ohne viele Touristen die Berge erzwingen und die Natur bestaunen will, sollte in der Nebensaison zu den Lofoten reisen (Ich war im Oktober dort; absolut traumhaft!). Mit dem Mietwagen lassen sich die unzähligen Wandertouren in kürzester Zeit erreichen. Natürlich gibt es aber auch in Oslo etliche schöne Wanderrouten, zu denen man mit der Linie 1 in Richtung Holmenkollen gelangt. Die Ausflüge und Wanderungen mit Studenten unterschiedlichster Herkunft habe ich sehr genossen und sind ohne Zweifel mit das Schönste, was ich während meines Auslandsaufenthalts erlebt habe.

Um abends mal auszugehen bieten sich die Studentenpubs der verschiedenen Fakultäten auf dem Campus an. Die Getränke sind hier günstiger als in der Innenstadt und der Eintritt meist frei. Die Preise in den Studentenpubs liegen jedoch immer noch über den Preisen einer Bar in Deutschland. Auch das Essen in Norwegen ist nicht billig - für Lebensmittel muss man mit dem doppelten bis dreifachen Preis des deutschen Preises rechnen. Hingegen kann man manche Museen in Oslo zum Nulltarif besuchen oder sich für ungefähr 11€ eine Ballettaufführung in der berühmten Oper anschauen. Ebenfalls einen Besuch wert sind die Inseln im Fjord von Oslo, auf denen man herrlich grillen oder im Meer baden kann. Mit dem Monatsticket für Bus und Bahn ist die Fahrt mit der Fähre dorthin kostenlos. Der August war während meines Aufenthalts sehr warm und auch im September schien jeden Tag ununterbrochen die Sonne. Also Badehose unbedingt einpacken! Sehenswert ist weiterhin der Hafen Akkerbrygge oder der Barcode. Ein kostenloses Jazzkonzert gibt's jeden Sonntag im BLÅ im Stadtteil Grünerløkka.

Fazit:

Das Land Norwegen hat sich mir stets freundlich präsentiert - angefangen von den wirklich vielen sonnigen Tagen, bis hin zu den unglaublich aktiven und naturliebenden Norwegern. Die Universität Oslo ist mir durch die sehr gute Organisation und das Engagement der Dozenten und Mitarbeiter positiv aufgefallen.

Norwegens Kultur ist ähnlich der Deutschen, wenngleich auch das rege Studentenleben durch eine gewisse Gelassenheit der Norweger - zu der wohl die Nähe zur Natur maßgeblich beiträgt - entschleunigt wird.

Um die Möglichkeiten eines internationalen Austausches voll auszukosten, wählt man als ersten Schritt dafür am besten die größtmögliche WG bei seiner Ankunft. So konnte ich durch meine sieben Mitbewohner die Kultur vieler verschiedener Nationalitäten kennenlernen und z.B. bei typisch amerikanischen Pancakes den nächsten Ausflug in die atemberaubende Natur Norwegens planen.

Ich freue mich, dass ich den Auslandsaufenthalt in Norwegen machen konnte und somit das Studieren - aber vor allem das Leben - in Oslo mit seinen vielen Facetten kennenlernen und neue, interessante Erfahrungen machen durfte.

Ha det bra!