Oslo1

Autor: Swen Hartfiel

Der ERASMUS-Aufenthalt in Oslo war eine sehr schöne und lehrreiche Erfahrung.

In Oslo habe ich in einem Studentenwohnheim von SiO gewohnt. Ich wohnte in Ullevål mit einer sehr netten und freundlichen und für norwegische Verhältnisse sehr offenen Norwegerin zusammen, mit der ich ein winziges Bad und eine noch kleinere Küche teilte. Von dort konnte ich in 10-15 Minuten zum Universitätscampus Blindern laufen oder in 3 Minuten mit der Bahn dort hin fahren. Von dem Wohnheim war ich ca. 15 Minuten bis in das Zentrum unterwegs und ebenfalls ca. 15 Minuten bis in die Natur bei Sognsvann. Leider hat das Wohnheim keine Esszimmer oder Esstisch in der Küche, sodass jeder sein Essen in seinem Zimmer am Schreibtisch essen musste. Die beiden größten Wohndörfer, Krinsjå und Sogn sind ebenfalls in der Ecke von Oslo und von Krinsjå kann man auch mal in ca. 45 Minuten und Sogn in ca. 25 Minuten bergab in der Nacht nach Hause laufen. Dort finden die meisten privaten Küchenpartys statt und leben die meisten internationalen Studenten.

Zunächst einiges zum Studieren. Die Campusuniversität besteht hauptsächlich aus 60er Jahre-Bauten, die nach und nach modernisiert werden. Dort werden in den Gebäuden der Fakultäten von den "Fachschaften" Bars betrieben, wo man z. B. in der "Realistforeningen" morgens Kaffe und Baffeln für einen kleinen Preis bekommt. Dort gibt es auch jeden Freitag ein Pubquiz und "günstiges" Bier. Die Vorlesungen, die ich besuchte, waren mit den Vorlesungen des Masters Biochemistry in Jena vom Niveau her nicht zu vergleichen. Ich hatte die Module general Toxicology und human Toxicology belegt, die für mich sehr einfach waren. Es wurde Lehrbuchwissen vermittelt und oft bei Null mit den Erklärungen und Ausführungen angefangen, z. B. "Das sind die 4 Basen der DNA ...". Das Bildungsprogramm in Norwegen ist etwas anders als das in Jena, sodass dort keine Bachelorarbeit geschrieben wird, sondern wie im Diplom, der Master sich quasi nahtlos an den Bachelor anschließt. Daher ist die Lehre anders strukturiert, was etwas frustrierend sein kann, wenn man einmal eigenverantwortlich im Labor gestanden hat und sich Wissen aus Papern aneignen musste. Auch hat das Vorwissen zwischen den Kursteilnehmern stark variiert. Bei mir im Kurs waren ca. 7 Nationalitäten vertreten aus verschiedenen Bildungssystemen und Studienfortschritten, sodass oft weiter ausgeholt werden musste.

Ich habe auch einen Norwegisch Kurs gemacht, der sich sehr gelohnt hat. Unsere Lehrerin (Kate Rasch) unterrichtete mit so viel Energie, dass das Norwegischlernen wie von selbst von statten ging. Die Kaffeepausen haben noch weiter dazu beigetragen die Kursteilnehmer aus anderen Ländern kennen zu lernen. Macht einen Sprachkurs, es lohnt sich!!!! Vor allem, wenn man auf Norwegisch bestellen kann oder dann in Deutschland eine Doku über Norwegen sieht und versteht was die Leute in Wirklichkeit sagen ;).

Außerdem habe ich ein Praktikum im Universitätsklinikum in der Pharmazeutischen Abteilung absolviert. Dort wurde ich sehr freundlich aufgenommen, die Weihnachtsfeier in der Gruppe war einer der Höhepunkte. Mich hat man an allen interessanten Versuchen im Labor teilhaben lassen und mir die Methoden gezeigt. Es war sehr spannend die Methoden und Inhalte zu erleben und zu sehen. Leider konnte mir das Konzept hinter den Projekten oder Versuchen manchmal für mich nicht zufriedenstellend erklärt werden.

Neben dem Studium gibt es viel zu entdecken und zu erleben, wie z.B. einkaufen in einer der teuersten Städte der Welt. Wenn man die erste Woche überstanden hat und sich ein bisschen orientiert hat, kann man sich allerdings mit der App "Mattilbud" und bei türkischen Supermärkten, wie dem in Grønland, für norwegische Verhältnisse günstig ernähren. Die Lebensmittel haben in der Regel eine hohe Qualität. Kleidung ist dort ähnlich teuer wie in Deutschland, nur dass in Norwegen 30% Mehrwertsteuer auf die Produkte kommt. Bei der Einreise nach Deutschland kann man sich diese Steuern beim Zoll erstatten lassen und ein Norwegerpullover (Lusekofte) ist dann nicht mehr ganz so teuer.

Die Museen Oslos haben meistens an einem Tag der Woche oder immer für Osloer Studenten freien Eintritt. Das kann man an regnerischen Tagen ausnutzen und sich das FRAM Museum, die Wikinger Schiffe oder das Norwegische Völkerkundemuseum ansehen. Der Holmenkollen sollte auch auf der Liste der Besichtigungen stehen! Von dort gibt es einen schönen Wanderweg über den Vetterkollen und über Stock und Stein nach Sognsvann, den man mit Besuchern repräsentativ für Norwegische Wanderwege immer wieder machen kann ;). Im Wald ist meist kein Internet verfügbar, wohl aber GPS. Mit der App "maps.me" kommt ihr so mit Offline Karten gut ohne Internet und Navi ans Ziel und die App kennt auch die kleinsten Wanderwege. Norwegen ist landschaftlich sehr bezaubernd. Direkt um Oslo herum gibt es jede Menge Möglichkeiten sich im Freien zu bewegen und wandern zu gehen. Dabei sind die "Wanderwege" meist bessere Trampelpfade durch den Wald mit Markierungen an den Bäumen. Es werden von der Uni und anderen studentischen Organisationen Reisen z. B. zu Fjorden angeboten, aber auch auf eigene Faust lassen sich leicht Trips in Norwegen mit dem Auto, Flugzeug oder Zug organisieren. Trondheim, Bergen und Tromsø waren beliebte Ausflugsziele bei den internationalen Studenten.

Es bietet sich auch eine Mitgliedschaft im Athletika, dem Fitnessstudio von SiO, an. In dieser Mitgliedschaft sind Fitnessstudios in der ganzen Stadt und vielfältige Kurse inbegriffen. Im Domus Athletika ist ein Schwimmbecken für Mitglieder verfügbar und eines der Athletikas ist sogar auf dem Campus Blindern. Bei SiO kann man sich auch Langlaufskis ausleihen und sich in den über 100 km gespurten Loipen oder Crosscountry rund um Oslo probieren. Leider war während meines Aufenthalts nicht ausreichend Schnee, sodass ich das bei meinem nächsten Oslobesuch ausprobieren muss. Für Mannschaftssport gibt es den OSI, ein Sportverein für Studenten.

Die Zeit in Oslo war sehr schön und prägend. Ich habe viele neue, interessante Leute aus allen Ländern kennen gelernt und viele Erfahrungen gemacht, die für mich sehr überraschend waren und die ich so vorher nicht erwartet hatte. Dies hat mir zudem eine "neue" Richtung aufgezeigt, wie und wo es für mich künftig weiter gehen soll. Ich werde auf jeden Fall wieder nach Norwegen reisen, um Urlaub zu machen oder vielleicht um dort eines Tages entspannt zu leben und zu arbeiten.