Perspektive von Susanne Eger
Susanne Eger hat Literatur, Kunst undKultur in Jena studiert und langjährige Handarbeits-Erfahrung im Nähen und Stricken.
·Leseversion der Audiodateien
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Originalfassung
„Nichts für Anfängerinnen”
Ich bin Susanne Eger, ich habe hier in Jena den Master Literatur, Kunst, Kultur
studiert und ich nähe sehr gern seit ungefähr 15 Jahren und stricke seit ungefähr
zwei oder drei Jahren. Wenn ich mir das Discomedusenkissen anschaue, fällt
mir als erstes eigentlich auf, dass sie sich ein bereits sehr symmetrisches
oder fast ornamentales Objekt aus der Natur rausgesucht hat, das als Laie gar
nicht unbedingt als Tier oder als ein naturwissenschaftliches Objekt erkennbar
ist. Sie hat sich also ein Objekt gesucht, das sie nicht mehr verkünsteln oder
abstrahieren musste, sondern sie hat gleich was genommen, was schon sehr gut
in ihre Kunst gepasst hat.
Ich empfinde Samt als ein sehr herausforderndes Material, da durch die
Strichrichtung des Flors, also dem Pflaumen, der den Samt erst so samtig
macht, Samt sehr leicht wegrutscht beim Nähen und ich denke auch mal beim
Sticken und deswegen immer besonders gut fixiert werden muss. Es ist in der
Handhabung also nichts für Anfängerinnen und ich denke, dass sie auch ihre
Arbeitsschritte gut geplant haben muss, weil sie ja erst malen, dann sticken, dann
das Kissen zusammennähen und dann auch noch ausstopfen musste.
Was ich auch noch interessant finde, ist, dass wenn man sich das Kissen genau
anguckt, man diese vier Kreise in der Mitte sieht. Ich denke, das sind die Gonaden
der Qualle und die sind unterschiedlich schattiert. Und daran sieht man, wie
genau sie die Zeichnung von Haeckel in ihre Stickkunst übertragen hat.
Susanne Eger -
Übersetzung
“Not for beginners”
My name is Susanne Eger. I studied for a master‘s degree in literature, art, and
culture here in Jena and I have been sewing for about 15 years and knitting for
about two or three years. When I look at the Discomedusenkissen, the first thing
I notice is that she has chosen a very symmetrical or almost ornamental object
from nature that, to the untrained eye, is not necessarily recognizable as an
animal or a scientific object. So she has chosen an object that she didn‘t have to
embellish or abstract any further, but instead took something that already fitted
very well into her art.
I find velvet a very challenging material to work with, because the direction of the
pile, i.e. the plumage that makes velvet so velvety, velvet slips very easily when
sewing and, I think, also when embroidering, which is why it always has to be
fixed particularly well.
So it‘s not for beginners to handle, and I think she must have planned her work
steps well because she first had to paint, then embroider, then sew the pillow
together, and then stuff it.
And what I also find interesting is that when you look closely at the pillow, you
can see these four circles in the middle. I think these are the gonads of the
jellyfish, and they are shaded differently. And you can see how precisely she has
transferred Haeckel‘s drawing into her embroidery.