Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten

Das Gemälde

Neue Perspektiven aus Haeckels Arbeitszimmer
Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten
Grafik: Jana Wiegandt

Perspektive zum Gemälde von Karl Porges

Platzhalterbild — Icon Gemälde
Perspektive zum Gemälde von Karl Porges

Karl Porges ist Biologiedidaktiker

Grafik: Bastienne Karg · Audio: Karl Porges

Leseversion der Audiodateien

  • Originalfassung

    “Ernst Haeckels Ölgemälde als ästhetisch-wissenschaftliches Medium:
    ein biodidaktischer Blick“

    Mein Name ist Karl Porges und ich habe mich aus biologie-didaktischer Sicht mit
    dem Bild und seiner Funktion für die heutige Schulbildung auseinandergesetzt.
    „Eine besondere und ganz reizende Zierde der Tropenlandschaft bilden die
    zahlreichen kleinen ‚Cocos-Inseln‘“, schrieb Ernst Haeckel in seinem Werk
    „Wanderbilder“. Den Besuch dieser Landschaft hat er zudem in seinem Buch
    „Indische Reisebriefe“ ausführlich beschrieben. Dabei erinnerte er sich an das
    Dorf, in dem er sechs Wochen lebte und arbeitete. Die tropische Natur, die
    Mischung aus fremden Sitten und die Beziehungen zu den Dorfbewohner*innen
    prägten seinen Aufenthalt. Das hier dargestellte Ölgemälde fertigte er direkt
    vor Ort an. Damit ermöglichte er einer europäisch-bürgerlichen Öffentlichkeit
    Einblicke in eine damals kaum zugängliche Landschaft.
    Die Darstellung der Insel war dabei jedoch nicht nur dokumentarisch, sondern
    auch ästhetisch und spiegelte sein naturphilosophisches Weltbild wider. In der
    heutigen Schulbildung kann das Bild für eine ästhetisch-reflexive, historisch- und/
    oder medienkritische Analyse eingesetzt werden. Wie sah der „Deutsche Darwin“
    die Natur bzw. wie wollte er sie sehen? Wie verband er Kunst und Wissenschaft
    miteinander und wie fand das Leben der Menschen vor Ort Eingang in seine
    Darstellung? Diese und weitere Fragen können zum Nachdenken auch über
    koloniale Strukturen anregen. In der Interdisziplinarität seines Werkes fördert die
    Darstellung zudem fächerübergreifendes Denken, schließlich finden sich in seiner
    Funktion als ästhetisch-wissenschaftliches Medium biologische, geografische,
    künstlerische und historische Bezüge.

  • Übersetzung

    Ernst Haeckels oil-painting as an aestatic-scientific medium:
    a biology-didactical view“

    My name is Karl Porges. I dealt with the painting and its function for todays
    school education from a biology-didactical perspective.
    “The numerous small ‘Cocos Islands’ form a special and very charming
    adornment to the tropical landscape,” wrote Ernst Haeckel in his work
    “Wanderbilder”. He also described his visit to this landscape in detail in his book
    “Indische Reisebriefe”. In it, he recalled the village where he lived and worked
    for six weeks. The tropical nature, the mixture of foreign customs, and his
    relationships with the villagers shaped his stay. He painted the oil painting shown
    here directly on site. In doing so, he gave a European bourgeois public an insight
    into a landscape that was hardly accessible at the time.
    However, his depiction of the island was not only documentary, but also
    aesthetic, reflecting his natural philosophical worldview. In today‘s school
    education the painting can be used for aesthetic-reflexive, historical, and/or
    media-critical analysis. How did the “German Darwin” see nature, or how did he
    want to see it? How did he combine art and science, and how did the lives of the
    local people find their way into his depiction? These and other questions can
    encourage reflection on colonial structures. In the interdisciplinarity of his work
    the depiction also promotes comprehensive thinking; after all, in its function as
    an aesthetic-scientific medium, it contains biological, geographical, artistic, and
    historical references.