Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten

Das Gemälde

Neue Perspektiven aus Haeckels Arbeitszimmer
Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten
Grafik: Jana Wiegandt

Perspektive zum Gemälde von Deneth Piumakshi Veda Arachchige

Platzhalterbild — Icon Gemälde
Perspektive zum Gemälde von Deneth Piumakshi Veda Arachchige

Deneth Piumakshi Veda Arachchige ist eine süd-asiatische, multidisziplinäre Künstlerin

Grafik: Bastienne Karg · Audio: Deneth Piumakshi Veda Arachchige

Leseversion der Audiodateien

  • Originalfassung

    “The story of an island in the sphere of colonial appropriation”

    My name ist Deneth Piumakshi Veda Arachchige. I am a multi-disciplinary artist
    from Sri Lanka. I am based between France and Sri Lanka and working in Europe.
    Once upon a time, known as Gal duwa (meaning ‚Rock Island‘ in Sinhalese) was
    a small isle situated in Weligama Bay in the south of Sri Lanka. It was known as a
    dumping ground for cobras by the locals. Around 1925, Maurice Talvande, whose
    real name was Maurice Maria – aristocrat, a French-born, naturalised British
    garden designer and furniture maker – found this earthly paradise by chance.
    He purchased it for 250 Sri Lankan rupees at that time. Profiting the power
    of colonial comforts, he ignored its true name and renamed it as ‘Taprobane’,
    constructed a villa, replanted the garden and lived there. After his death in 1942
    his son sold it by public auction and from there it was passed on to the hands
    of foreign owners. Today it is owned by an Australian businessman. ‘Taprobane
    Island’ is now a private villa for tourists that costs a fortune per night.
    “The mystical veil of romance and adventure” as Ernst Haeckel says, the beauty
    he has painted and experienced, today in fact remains a foreign beachside to
    me as a Sri Lankan. Weligama is attracted by many Russian, Ukrainian, French,
    German and English tourists and investors for its potential tourism, a hot spot to
    see blue whales, to catch a ride on a surf board and rave parties.
    The correct name of the painting should be ‘Weligama’ not “Belligemma” as
    Haeckel renamed it with Italian words. Which clearly show his white privileges
    on the land of the ‘others’. This painting is well-presented as an image of colonial
    propaganda tourism to attract western scientists and adventurers.
    Haeckel had ‘forgotten’ to paint …
    … the “Singhalese children” he traded with cheap ornaments and coloured picture
    sheets in return for filling 30 boxes with rare specimens.
    Haeckel had ‘forgotten’ to paint …
    … the native couple with four children who offered him coconut water and
    banana to his uninvited entrance to their home in the small isle Gal Duwa.

  • Übersetzung

    „Die Geschichte einer Insel im Machtfeld kolonialer Aneignung“

    Mein Name ist Deneth Piumakshi Veda Arachchige. Ich bin eine multidisziplinäre
    Künstlerin aus Sri Lanka. Ich lebe zwischen Frankreich und Sri Lanka und arbeite
    in Europa.
    Es war einmal eine kleine Insel namens Gal duwa (Sinhalisch für ‘Felseninsel’)
    in der Bucht von Weligama im Süden Sri Lankas. Die Einheimischen kannten
    sie als Abladeplatz für Kobras. Um 1925 entdeckte Maurice Talvande, dessen
    richtiger Name Maurice Maria war – ein Aristokrat, gebürtiger Franzose und
    eingebürgerter Brite, Möbelhersteller – dieses irdische Paradies zufällig.
    Er kaufte es für 250 srilankische Rupien. Er nutzte die Macht kolonialer
    Annehmlichkeiten, ignorierte den eigentlichen Namen der Insel und benannte sie
    in ‘Taprobane’ um, baute eine Villa, legte einen Garten an und lebte dort. Nach
    seinem Tod im Jahr 1942 verkaufte sein Sohn die Insel in einer öffentlichen
    Auktion, woraufhin sie durch die Hände verschiedener ausländischer Eigentümer
    weitergereicht wurde. Heute gehört sie einem australischen Geschäftsmann.
    ‘Taprobane Island’ ist nun eine private Villa für Touristen. Hier zu übernachten
    kostet ein Vermögen.
    „Der mystische Schleier der Romantik und des Abenteuers”, wie Ernst Haeckel
    sagt, die Schönheit, die er gemalt und erlebt hat, bleibt für mich als Sri Lankerin
    heute ein fremder Strand. Weligama zieht aufgrund seines touristischen
    Potenzials viele russische, ukrainische, deutsche, französische und englische
    Touristen und Investoren an. Es ist ein Hotspot um Blauwale zu beobachten, zum
    Surfen und Rave-Partys feiern.
    Der korrekte Name des Gemäldes sollte ‘Weligama’ lauten und nicht
    „Belligemma”, wie Haeckel es mit italienischen Wörtern umbenannt hat. Dies
    zeigt deutlich seine weißen Privilegien auf dem Land der ‘Anderen’. Dieses
    Gemälde kann als Teil des ‘kolonialen Propagandatourismus’ verstanden werden.
    Es diente dazu westliche Wissenschaftler und Abenteurer anzulocken.
    Haeckel hatte ‘vergessen’ ...
    die „singhalesischen Kinder“ zu malen, mit denen er billige Schmuckstücke und
    farbige Bilderblätter tauschte, um dafür 30 Kisten mit seltenen Exemplaren zu
    füllen.
    Haeckel hatte ‘vergessen’ ...
    das einheimische Paar mit vier Kindern zu malen, das ihm Kokosnusswasser und
    Bananen anbot, als er ungebeten in ihr Haus auf der kleinen Insel Gal Duwa kam.
    Deneth Piumakshi