Perspektive zur Postkarte von Alexis Urtecho Valverde
Alexis Urtecho Valverde ist Jenenser Biologiestudent.
·Leseversion der Audiodateien
-
Originalfassung
„Der eugenische Gegenpapst“
Hi, ich bin Alexis und ich habe in Jena Biologie studiert.
Wenn ich die Postkarte sehe, fällt mir direkt auf wie bewusst der Gorilla
als gefährliches, aggressives Tier dem „überlegenen, zivilisierten“ Haeckel
gegenübergestellt wird. Es wirkt ziemlich unnatürlich, der Gorilla wurde
offensichtlich mit dem Ziel, ein bestimmtes Bild der Kolonien zu erzeugen
präpariert. Die Postkarte stellt finde ich sehr gut dar, wie Haeckel sich selbst
präsentieren wollte und damit auch, was seine Idee hinter dem phyletischen
Museum ist, was letzten Endes auch nur der Selbstdarstellung dienen sollte.
Nicht nur hat Haeckel als großer Fan Darwins seinen eigenen Stammbaum
des Menschen entwickelt, der nicht nur total unwissenschaftlich, sondern
auch rassistisch ist, er war auch so von sich selbst überzeugt, dass er sich
selbst zum Gegenpapst ernennen ließ und mit einem Nobelpreis rechnete.
Zum Glück hat unser Zoologieprofessor sich als Direktor des phyletischen
Museums ziemlich intensiv mit Haeckels Rassismus und der von ihm gelieferten
„wissenschaftlichen“ Grundlage des Rassismus auseinandergesetzt und dann
auch 2019 mit mehreren Co-Autoren die Jenaer Erklärung mitverfasst, in der
klargestellt wird, dass nicht Rassen die Grundlagen des Rassismus sind, sondern
umgekehrt, die Idee unterschiedlicher Menschenrassen ist aus Rassismus
geboren. Trotz dieser notwendigen wissenschaftlichen Richtigstellung der
Haeckelschen Rassenlehre steht der Gorilla ja aber trotzdem da, wo er nunmal
steht, ohne den rassistischen, kolonialen Hintergrund darzustellen. -
Übersetzung
“The Eugenic Antipope“
Hi, I‘m Alexis and I studied biology in Jena.
When I look at the postcard, I immediately notice how intentionally the gorilla
is portrayed as a dangerous, aggressive animal in contrast to the “superior,
civilized” Haeckel. It seems rather unnatural; the gorilla was obviously prepared
with the aim of creating a certain image of the colonies. I think the postcard
illustrates very well how Haeckel wanted to present himself and, in doing so,
what his idea behind the phyletic museum was, which ultimately was only meant
to serve his own self-promotion.
Not only did Haeckel, as a great fan of Darwin, develop his own family tree
of humans, which is not only totally unscientific but also racist, he was also
so convinced of himself that he had himself appointed as an anti-pope and
expected to receive a Nobel Prize. Fortunately, our zoology professor, in his
role as director of the Phyletic Museum, has engaged quite extensively with
Haeckel’s racism and the supposedly “scientific” foundation he provided for it.
In 2019, together with several co-authors, he also contributed to drafting the
Jena Declaration, which makes it clear that races are not the basis of racism;
rather, the idea of different human races is itself born out of racism. Despite
this necessary scholarly correction of Haeckel’s racial doctrine, the gorilla still
stands there where it stands, without any representation of the racist, colonial
background.