Das Phyletische Museum wurde im Jahr 1907 von Ernst Haeckel gegründet. Es ist der Stammesgeschichte der Tiere gewidmet. Wir vermitteln einzigartige Einblicke in die Vielfalt der Tierwelt und erklären die Mechanismen der Evolution. Wie und wodurch verändern sich Arten über die Zeit? Antworten darauf liefert auch die Betrachtung der Ontogenie, der Individualentwicklung eines Lebewesens. Die Geschichte des Museums, seine Sammlungen und seine Forschungsaktivitäten spiegeln die enge Verbindung von Entwicklungsbiologie und Evolutionsforschung wider.
Öffnungszeiten
Wir haben täglich, außer montags, geöffnet. Das Kassenpersonal steht Ihnen für Auskünfte während der Öffnungszeiten zur Verfügung (03641 - 949180).
- Dienstag bis Freitag: 09.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr
- Wochenende und Feiertage: 10.00 - 16.00 Uhr
Bitte beachten Sie: Der letzte Einlass ist jeweils 45 Minuten vor der Schließung. Am 24., 25. und 31.Dezember sowie am 01.Januar ist das Museum geschlossen.
Eintrittspreise
- Erwachsene: 4,50 €
- Familienkarte: 10,00 € (Eltern oder Großeltern mit Kindern)
- Schulklassen: 1,50 € pro Schülerin oder Schüler + 3,50 € pro Begleitperson
- Ermäßigt: 3,50 € (Kinder ab 6 Jahre, Studierende, Schüler, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner, Tätige im Bundesfreiwilligendienst, Personen mit Behinderung)
- Eintritt frei für Kinder unter 6 Jahre, Studierende der Fakultät für Biowissenschaften der FSU Jena, Mitglieder des Fördervereins Phyletisches Museum und Begleitpersonen von Kindergartengruppen
An unserem Service-Desk können Sie außerdem hübsche Postkarten und interessante Bücher zu verschiedenen Themen erwerben. Kartenzahlung ist möglich.
Saal der Medusen: Sonderaustellung ELECTRUM MUNDI
Seit jeher ist der Mensch fasziniert vom durchscheinenden, brennbaren Stein. Der Bernstein verbirgt viele Geheimnisse und jenes über seinen wahren Ursprung scheint er nicht preisgeben zu wollen. Als Schmuck begehrt, blieb sein unermesslicher Wert in Form seiner seltenen Einschlüsse lange Zeit unerkannt. Der Bernstein offenbart einen Blick in die Vergangenheit und erlaubt uns Rückschlüsse auf die Evolution von Organismen. Unverändert bleibt seine Ästhetik, besonders der Stücke, die durch ihre auf immer Gefangenen einzigartig sind. Einige dieser außergewöhnlichen Bernsteine werden in noch nie dagewesener Weise im Phyletischen Museum Jena präsentiert.
Baltischer Bernstein mit Inklusen, u.a. eine Ameise. Alter: 35 - 45 Millionen Jahre. Die erstaunliche Geschichte dieses Fundes und seine Beziehung zu Johann Wolfgang v. Goethe erfahren Sie im Museum.
Collage: PD Dr. Manuela SchmidtEvolution richtig verstehen
Die Evolutionstheorie heute ist nicht mehr die Evolutionstheorie, die Charles Darwin in seinem ersten großen Werk "On the Origin of Species by Means of Natural Selection" 1858 vorgestellt hatte. Die organismische Forschung hat seitdem aus vielen Fachdisziplinen unzählige Belege zusammengetragen, so dass wir von einem Wissensgebäude mit universellem Erklärungswert sprechen können. Der Kern der Evolutionstheorie ist seit Darwin jedoch geblieben: Arten sind nicht konstant, sondern verändern sich über die Zeit. Die Veränderungen führen zur Entstehung oder zum Verschwinden von Arten. Als passionierter Taubenzüchter nutzte Darwin die künstliche Zuchtwahl als Beleg für die Veränderbarkeit von Arten durch äußere Einflüsse. Im Evolutionssaal erklären wir die Mechanismen der Evolution.
Evolutionssaal: Tauben, verschiedene Züchtungen
Foto: PD Dr. Manuela SchmidtEvolution und Vielfalt des Menschen
Charles Darwin fand den Gedanken einer Höherentwicklung durch Evolution absurd – ein Streitpunkt zwischen ihm und Ernst Haeckel, der wiederum glaubte, die Menschheit sei die Krone des Stammbaumes. Wir folgen Ernst Haeckel in diesem Glauben nicht. Die Phylogenese strebt nicht nach einem höheren, idealistischen Ziel, gleich einem Baum, der zum Licht wächst. Und doch steht der Saal zur Menschwerdung förmlich im Zentrum des Museums. Unsere Art, Homo sapiens, ist einzigartig aufgrund der engen Verbindung von biologischer und kultureller Evolution in der Geschichte der Menschwerdung. Wir zeigen anhand bedeutender Fossilfunde und Artefakte, wie unsere Stammesgeschichte verlief und was uns heute als Menschen in unserer Vielfalt auszeichnet.
Der Saal zur Menschwerdung (Anthropogenese) mit bedeutenden Fossilen und Artefakten.
Foto: PD Dr. Manuela SchmidtSaal der wirbellosen Tiere: Schwämme, Korallen, Würmer und Gliederfüßer
Die überwiegende Mehrzahl der Tiere sind Wirbellose und ihre artenreichste Gruppe sind wiederum die Gliederfüßer, die Arthropoda, zu denen Insekten, Spinnentiere, Krebse und Tausendfüßer gehören. Im Saal haben jedoch auch die Nesseltiere (Cnidaria) einen besonderen Platz, gehörten diese doch zu den von Ernst Haeckel besonders erforschten Tieren. Medusen faszinierten ihn wegen ihrer symmetrischen und filigranen Formen, die Haeckel in seinen „Kunstformen der Natur“ (1899 bis 1904) verewigte. Nicht weniger kunstvoll können heute 3D-Modelle die von Ernst Haeckel einst gesammelten Medusen wieder zum Leben erwecken. Unser Sammlungsmanager Bernhard Bock hat diese Technik bei dem renommierten dänischen Unternehmen 10 Tons erlernt.
Keine Angst vor den Spinnen. In Wirklichkeit sind sie viel kleiner.
Vogelspinnen bei ihrem Paarungsverhalten
Foto: PD Dr. Manuela SchmidtSaal der Wirbeltiere: Reptilien, Vögel, Fische und Säugetiere
Warum sind uns Wirbeltiere so bekannter, vertrauter als die Wirbellosen? Nun, viele von ihnen sind zunächst erstmal einfach größer, sichtbarer. Und, es gibt diese unglaublichen Fossilien: riesige Haie, turmhohe Dinosaurier, Riesenkrokodile und vermeintliche Urvögel (Dinosaurier mit Federn). Ein besonderes Fossil ist †Tiktaalik roseae aus dem Devon, eine Art Quappe, die zur Stammgruppe der Landwirbeltiere gehört. Dieses Tier hatte zwar noch Kiemen, aber auch eine Lunge und als Erstes Ellenbogen. Es konnte sich vermutlich im flachen Wasser aufrichten, um Luft zu atmen, denn im Devon war der Sauerstoff im Wasser knapp. Ein mindestens ebenso spektakuläres Objekt ist der Quastenflosser, meisterhaft präpariert von Matthias Krüger, unserem Chefpräparator.
Abguss des fossilen Fisches Tiktaalik roseae, ein Vorfahre der Landwirbeltiere
Foto: PD Dr. Manuela Schmidt