Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten

Das Gemälde

Neue Perspektiven aus Haeckels Arbeitszimmer
Ernst Haeckels Arbeitzimmer mit hervorgehobenen Objekten
Grafik: Jana Wiegandt

Perspektive zum Gemälde von Hannah Hollweck

Perspektive zum Gemälde von Hannah Hollweck

Platzhalterbild — Icon Gemälde

Hannah Hollweck ist Masterstudierende der Kunstgeschichte und Filmwissenschaft der Universität Jena.

Grafik: Bastienne Karg · Audio: Hannah Hollweck (bearbeitet: Finn Blug)

Leseversion der Audiodateien

  • Originalfassung

    „Das Nichtsichtbare hinter Ernst Haeckels Landschaftsmalerei“

    Mein Name ist Hannah Hollweck, ich bin Master-Studentin der Fächer
    Kunstgeschichte und Filmwissenschaft und setze mich unter anderem
    mit universitären Sammlungen und deren Schnittstelle zwischen
    Wissenschaftsgeschichte und visueller Kultur auseinander.
    Das Gemälde zeigt eine tropische, schier endlose Landschaft voller buschiger,
    undurchdringbar scheinender Palmengruppen, rosafarbenen Wolken und einer
    beinahe menschenleeren Küste. In Ernst Haeckels Landschaftsmalerei erscheint
    der indigene Mensch lediglich als Staffagefigur ¬– winzig im Vergleich zur
    üppigen Natur und durch die Komposition eng mit ihr verwoben. Die Natur und
    die Beziehung des Menschen zu ihr scheinen von kolonialen Eingriffen unberührt
    zu sein.
    Was auf seinen Bildern nicht zu sehen ist: Der Forscher bewegt sich auf seiner
    ersten Tropenreise in einer von der britischen Kolonialherrschaft geformten
    Welt. Er lebt in europäischen Villen, reist mit der Eisenbahn und wird stets von
    indigenen Diener*innen begleitet und bedient. Seine Reise reiht sich damit in eine
    breitere Tradition von Forschungsreisen in die Tropen, wie sie bereits Forscher
    wie James Cook, oder Georg Forster im 18. Jahrhundert niederschrieben.
    Haeckels Naturbegegnungen sind jedoch nicht nur malerischer Natur. In
    Weligama schlägt er auch sein “Zoologisches Laboratorium” auf, jagt und
    sammelt Tiere und Pflanzen und konserviert sie für seine Sammlung. In
    insgesamt 30 Kisten bringt er die Präparate mit nach Jena. Dort tragen sie –
    zusammen mit seinen Landschaftsbildern und seiner Reiseliteratur – dazu
    bei, ein Bild von der vermeintlich unberührten Exotik und Fremdheit Ceylons zu
    vermitteln.

  • Übersetzung

    „The Invisible Behind Ernst Haeckel‘s Landscape Painting“

    I am Hannah Hollweck, a master‘s student in art history and film studies, and my
    research focuses on university collections and their intersection between the
    history of science and visual culture.
    The painting depicts a tropical, seemingly endless landscape full of bushy,
    impenetrable-looking groups of palm trees, pink clouds, and an almost deserted
    coastline. In Ernst Haeckel‘s landscape painting, the indigenous people appear
    merely as decorative figures – tiny in comparison to the lush nature and closely
    interwoven with it through the composition. Nature and humanity‘s relationship
    to it seem untouched by colonial intervention.
    What cannot be seen in his paintings: on his first Tropenreise, the researcher
    moves within a world shaped by British colonial rule. He lives in European villas,
    travels by rail, and is always accompanied and assisted by indigenous servants.
    His journey thus follows in a broader tradition of research expeditions to the
    tropics, as already documented by explorers such as James Cook and Georg
    Forster in the 18th century.
    Haeckel‘s encounters with nature, however, are not only of a picturesque
    nature. In Weligama, he also sets up his “zoological laboratory,” hunting and
    collecting animals and plants and preserving them for his collection. He brings
    the specimens back to Jena in a total of 30 boxes. Along with his landscape
    paintings and travel literature, these specimen contributed to conveying an image
    of Ceylon’s supposedly untouched exoticism and strangeness