Gene und Biomoleküle

Plastikmodelle von Fettsäuren

Foto: Jan-Peter Kasper (Universität Jena)
Plastikmodelle von Fettsäuren

Information in biologischen Systemen

  • Projektbeschreibung

    Biologische Systeme lassen sich anhand ihrer Fähigkeit beschreiben, Informationen zu speichern und weiterzugeben. Dies wird unter anderem durch die Anordnung von Nukleotiden und Aminosäuren sowie durch deren Zusammensetzung innerhalb von Genomen und Proteomen ermöglicht. Genauer gesagt beeinflussen diese Eigenschaften, wie genetische Informationen kodiert und an die nächste Generation weitergegeben werden, wie Gene in Proteine übersetzt werden und wie molekulare Funktionen auf verschiedenen biologischen Ebenen entstehen.

    Ein zentraler Aspekt dieses Themenbereichs ist die Frage, wie der GC-Gehalt die statistischen Eigenschaften genetischer und proteomischer Sequenzen prägt. In pseudo-zufälligen und natürlichen Sequenzen beeinflusst der GC-Gehalt die Häufigkeit synonymer Codons (d. h. Tripletts, die für dieselbe Aminosäure kodieren), das Vorkommen von Stoppcodons, die Häufigkeit und Vorhersage offener Leserahmen, Aminosäureverteilungen sowie das in genetischen Codes gespeicherte Informationspotenzial.

    Insgesamt wird untersucht, wie die Sequenzstruktur biologische Informationen auf verschiedenen molekularen Ebenen prägt: Von der DNA über die Kodierung von Tripletts im genetischen Code bis hin zu Proteinen. Durch die Anwendung von Konzepten aus der Statistik, der Bioinformatik und vergleichenden Ansätzen wird aufgezeigt, wie Muster in der Zusammensetzung von Sequenzen evolutionäre Einflüsse, strukturelle Zusammenhänge und biologisch relevante Signale offenbaren können. Im weiteren Sinne trägt dieser Themenbereich zu einem Sequenz-zentrierten Verständnis aller Lebensbereiche bei, in denen Informationen sowohl durch chemische Gegebenheiten als auch durch die Evolutionsgeschichte geprägt werden.

  • Ausgewählte Literatur
    • V. Wesp, G. Theißen, S. Schuster
      Statistical analysis of synonymous and stop codons in pseudo-random and real sequences as a function of GC content
      Sci. Rep. 13, December, 2023, 22996
    • V. Wesp, K. Scholz, J. M. Ziermann-Canabarro, S. Schuster, H. Stark
      Constructing networks for comparison of collagen types
      Journal of Integrative Bioinformatics, 2024, 20240020

Proteinalterung

  • Projektbeschreibung

    Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf altersbedingten Proteinschäden, die zu Aggregaten führen. Diese können nicht mehr abgebaut werden und reichern sich an, bis die Zelle funktionell stark eingeschränkt ist und schließlich die Apoptose einleitet. Ziel ist es, die am meisten oder auch am wenigsten anfälligen Ziele in Bezug auf oxidativen Schaden zu ermitteln. Auch strukturelle Informationen und bekannte Aggregatproteine werden einbezogen. Weiterhin werden funktionelle Zusammenhänge und Domänen in diesem Kontext untersucht.

  • Ausgewählte Literatur
    • M. Fichtner, S. Schuster, H. Stark
      Influence of spatial structure on protein damage susceptibility: a bioinformatics approach
      Sci. Rep. 11, 2021, 4938
    • E. Barth, P. Sieber, H. Stark, S. Schuster
      Robustness during Aging — Molecular Biological and Physiological Aspects
      Cells 9 (8), 2020, 1862
    • M. Fichtner, S. Schuster, H. Stark
      Determination of scoring functions for protein damage susceptibility
      BioSystems 187, 2020, 104035, epub ahead of print
    • S. Schäuble, K. Klement, S. Marthandan, S. Münch, I. Heiland, S. Schuster, P. Hemmerich, S. Diekmann
      Quantitative model of cell cycle arrest and cellular senescence in primary human fibroblasts.
      PLoS ONE 7, 2012, e42150

Koevolution von Antibiotikaresistenz und biosynthetischen Genclustern

  • Projekbeschreibung

    Antibiotikaresistenzgene (ARGs) und biosynthetische Gencluster (BGCs) spielen eine entscheidende Rolle in mikrobiellen Gemeinschaften, indem sie die Produktion antimikrobieller Substanzen und die Anpassung an selektive Umweltbedingungen beeinflussen. In diesem Projekt untersuchen wir, wie Umweltveränderungen, mikrobieller Wettbewerb und genetische Mobilität die Koevolution von ARGs und BGCs über verschiedene Ökosysteme hinweg antreiben. Wir analysieren metagenomische Datensätze aus unberührten sowie anthropogen beeinflussten Lebensräumen mithilfe einer maßgeschneiderten Nextflow-Pipeline, die Werkzeuge zur Erkennung von BGCs (antiSMASH) mit Frameworks zur ARG-Erkennung (AMRFinderPlus, MEGARes, ResFinder) integriert. Nach Validierung werden wir die Analyse auf weitere Datensätze ausweiten, um die Verbreitung genomischer Merkmale unter unterschiedlichen Umweltbedingungen zu bewerten. Der Fokus liegt zunächst auf Metagenomik, soll aber zukünftig um metatranskriptomische und metabolomische Ansätze erweitert werden. Unsere Ergebnisse könnten Strategien zur verantwortungsvollen Nutzung von Antibiotika verbessern und die Bedeutung unberührter Lebensräume als Reservoirs für neuartige antimikrobielle Substanzen hervorheben.

  • Ausgewählte Literatur

Klassifikation und Kombinatorik von Amino- und Fettsäuren

  • Projektbeschreibung

    In diesem Projekt werden zum einen die kombinatorischen Möglichkeiten aliphatischer Aminosäuren und Fettsäuren untersucht. Hierzu werden Molekülklassen mit bestimmten Einschränkungen gewählt, da eine erschöpfende Auflistung nicht praktikabel ist. Es werden mathematische Berechnungen wie z.B. Rekursionen zu den erhaltenen Zahlenfolgen durchgeführt. Z.B. ergibt sich bei der Frage, wie viele unverzweigte, unmodifizierte Fettsäuren mit n C-Atomen es prinzipiell geben kann, die berühmte Fibonacci-Folge. Bei  modifizierte Fettsäuren sind es verallgemeinerte Fibonacci-Zahlen. Zusätzlich wird durch Literaturrecherche verifiziert, welche Kombinationen real in Organismen synthetisiert werden. Zum anderen werden unterschiedliche Klassifikationen von Aminosäuren entwickelt, die bestehende Verfahren ergänzen oder optimieren sollen. Dadurch erhoffen wir uns, Einsichten zu grundlegenden Fragen der biochemischen Evolution erhalten.

  • Ausgewählte Literatur
    • S. Schuster, T. Malycheva
      Enumeration of saturated and unsaturated substituted N-heterocycles
      arXiv:2309.02343, 2023, Preprint    
    • A. Then, H. Zhang, B. Ibrahim, S. Schuster
      Bioinformatics analysis of the periodicity in proteins with coiled-coil structure—Enumerating all decompositions of sequence periods
      Intern. J. Molec. Sci. 23, 2022, 8692     
    • A. Then, K. Mácha, B. Ibrahim, S. Schuster
      A novel method for achieving an optimal classification of the proteinogenic amino acids
      Scientific Reports 10, 2020, 15321
      https://www.nature.com/articles/s41598-020-72174-5Externer Link
    • M. Fichtner, K. Voigt, S. Schuster
      The tip and hidden part of the iceberg: Proteinogenic and non-proteinogenic aliphatic amino acids
      Biochimica and Biophysica Acta - General Subjects 1861 (1, Part A), 2017, 3258-3269
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27554846Externer Link
    • S. Schuster, M. Fichtner, S. Sasso
      Use of Fibonacci numbers in lipidomics - Enumerating various classes of fatty acids
      Scientific Reports 7, 2017, 39821
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28071669Externer Link
    • K. Grützmann, S. Böcker, S. Schuster
      Combinatorics of aliphatic amino acids
      Naturwissenschaften 98, 2011, 79-86
      https://link.springer.com/article/10.1007/s00114-010-0743-2Externer Link

Alternatives Spleißen in Pilzen

  • Projektbeschreibung

    Hoch entwickelte Eukaryoten aber auch Pilze können mRNA in unterschiedlicher Weise spleißen. Doch es ist nicht bekannt, in wie weit dieser Mechanismus bei Pilzen verbreitet ist und welche zellulären Prozesse davon betroffen sind. Spielt alternatives Spleißen eine Rolle bei der Unterscheidung zu einzelligen Pilzen oder beeinflusst es die Pathogenität?
    Wir analysieren RNA-Seq-Daten, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Dabei sind vor allem Pilzspezies wie Candida albicans, Aspergillus fumigatus und Cryptococcus neoformans für uns von großem Interesse. Wir verwenden verschiedene Software, um alternativ gespleißte Gene zu bestimmen. Diese werden anschließend näher betrachtet, um Rückschlüsse auf die biologische Funktion des alternativen Spleißens zu ziehen. Dabei wird vor allem auch die Regulierung in verschiedenen Pilzspezies betrachtet und der phylogenetische Zusammenhang analysiert.

  • Ausgewählte Literatur
    • P. Sieber, M. Platzer, S. Schuster
      The definition of open reading frame revisited
      Trends in Genetics 34, 2018, 167-170  
    • P. Sieber*, E. Barth*, M. Marz
      The landscape of the alternatively spliced transcriptome remains stable during aging across different species and tissues
      bioRxiv February, 2019, 541417
    • P. Sieber, K. Voigt, P. Kämmer, S. Brunke, S. Schuster, J. Linde
      Comparative study on alternative splicing in human fungal pathogens suggests its involvement during host invasion
      Frontiers in Microbiology 9, 2018, 2313
    • P. Sieber, M. Platzer, S. Schuster
      The definition of open reading frame revisited.
      Trends in Genetics 34, 2018, 167-170
    • J. Linde, S. Duggan, M. Weber, F. Horn, P. Sieber, D. Hellwig, K. Riege, M. Marz, R. Martin, R. Guthke, O. Kurzai
      Defining the transcriptomic landscape of Candida glabrata by RNA-Seq.
      Nucleic acids research 43, 2015, 1392-1406