Viele Interaktionen in der Natur beinhalten Abwehrmechanismen. Um diese Mechanismen zu umgehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Gegenabwehr. Beispielsweise produzieren manche Pilze und Streptomyceten Beta-Lactam-Antibiotika und viele Bakterienarten bilden im Gegenzug Beta-Lactamasen, die den Beta-Lactam-Ring öffnen.
Ein anderes Beispiel findet man in Pflanzen der Familie Brassicaceen. Diese verteidigen sich mit Glucosinolaten (GLS). Die gespeicherten GLS sind zunächst nicht toxisch, sondern werden durch Myrosinasen der Pflanzen in Isothiocyanate umgewandelt, sobald das Pflanzengewebe beschädigt wird (etwa durch Herbivorie). Spezialisierte Herbivoren der Brassicaceen haben in der Evolution spezifische Gegenabwehrmechanismen herausgebildet. Einige davon hemmen die Myrosinaseen, während andere die Hydrolyse in eine andere Richtung lenken, um weniger toxische Produkte zu bilden (z.B. Nitrile).
Viele Organismen produzieren nicht nur einzelne Abwehrstoffen, sondern Mischungen von mehreren solchen Stoffen. Ein Beispiel ist Teebaumöl, welches von der Pflanze Melaleuca alternifolia produziert wird. Es ist eine Mischung aus mehreren Terpenen und besitzt eine sehr starke antimikrobielle Wirkung. Um dieser Wirkung zu entgehen, transportieren einige Bakterien, wie zum Beispiel Pseudomonas aeruginosa, die Terpene mit Effluxpumpen aus der Zelle. Damit besitzen sie eine effektive Gegenabwehr gegen das gesamte Stoffgemisch.
Aber alles hat seinen Preis – da die Gegenabwehr metabolische Kosten erfordert, erhebt sich die Frage, ob sie immer vorteilhaft ist. Außerdem ist nicht klar, warum spezialisierte Herbivoren toxische Pflanzen bevorzugen, obwohl sie dadurch in die Detoxifizierung investieren müssen. Auch stellt sich die Frage, welchen Vorteil Mischungen von Abwehrstoffen gegenüber einzelnen Abwehrstoffen haben.
Wir nutzen Methoden der Spieltheorie, Modellierung mit Differentialgleichungen und dynamische Optimierung, um solche Phänomene zu beschreiben und zu erklären.