Der Mikrobiologe Prof. Dr. Christian Jogler erforscht im Wasser lebende Planctomyceten.

Naturstoffe entdecken und einfach mal abtauchen

Christian Jogler ist neuer Professor für Mikrobielle Interaktionen
Der Mikrobiologe Prof. Dr. Christian Jogler erforscht im Wasser lebende Planctomyceten.
Foto: Anne Günther/FSU
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Meldung vom: 23. Januar 2020, 10:48 Uhr | Verfasser/in: Ute Schönfelder | Zur Original-Meldung

Wenn Christian Jogler sich einem neuen Forschungsobjekt nähert, dann tauscht er für gewöhnlich den Laborkittel gegen einen Neopren­anzug und taucht ab. Der 42-jährige Mikrobiologe ist spezialisiert auf im Wasser lebende Bakterien, sogenannte Plancto­myceten. Diese Mikroorganismen spürt Jogler in Meeren, Ozeanen oder Binnengewässern auf. Künftig wird er für seine Streifzüge zu Korallenriffen, Tangwäldern oder Süßwasser­schwamm­kolonien vom thüringischen Jena aus starten: Der wasseraffine Forscher ist in diesem Wintersemester von der Radboud University Nijmegen (Niederlande) an die Friedrich-Schiller-Universität gewechselt und hat hier die neue Professur für Mikrobielle Interaktionen übernommen.

Obwohl Jena ein paar Hundert Kilometer vom nächsten Küstenstreifen entfernt liegt, findet Christian Jogler an der Friedrich-Schiller-Universität ein für seine Forschung perfektes Um­feld. "Was die Mikrobiologie in Jena auszeichnet, sind ihre Vielfalt und die enge Vernetzung in andere Disziplinen", unterstreicht er. Die Mikrobiologie ist eine zentrale Säule des For­schungs­profils der Universität. "Vor allem die Kombination der Profillinien Light und Life passt für mich und mein Team optimal." Im Uni-Institut für Mikrobiologie, "einem der deutschlandweit größten und renommiertesten überhaupt", aber auch im Exzellenzcluster "Balance of the Microverse" und außeruniversitären Jenaer Forschungseinrich­tungen findet Jogler zahlreiche neue Kooperationspartner und Anknüpfungs­punkte für neue Projekte.

Außergewöhnliche Bakterien als Quelle für neue Antibiotika

So etwa bei seinen Forschungen zu neuen Naturstoffen, wie Antibiotika. "Neue Antibiotika werden dringend gebraucht", weiß Christian Jogler und erklärt: "Fast drei Viertel aller heute klinisch relevanten Antibiotika sind von Bakterien gebildete Naturstoffe." Chris­tian Jogler und sein Team haben sich unter anderem deshalb auf die Planctomyceten spe­zialisiert, weil sie in ihnen zahlreiche bislang unbekannte Wirkstoffe vermuten. Viele der heute bekannten Planctomyceten leben im Wasser: Auf Pflanzen, Steinen oder Schwämmen bilden sie in Gemeinschaft mit anderen Mikroorganismen Biofilme. Was diese Bakterien für die Wissenschaft so interessant macht, ist, dass sie große, kom­plexe Genome und außerge­wöhn­liche Stoffwechsel aufweisen. "Das sind genau die Voraussetzungen, die Mikroorga­nismen erfüllen, die Naturstoffe wie Antibio­tika produzieren", sagt Jogler.

Blick ins Innere der Mikroben mittels hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie

Auch wenn die Entdeckung neuer Wirkstoffe für die Medizin ein immenses Anwendungs­potenzial ist, Christian Jogler sieht sich in erster Linie als Grundlagenforscher. "Mich inter­essieren vor allem umweltmikrobiologische Aspekte der Planctomyceten. Wo kommen sie vor? Mit wem interagieren sie?" Aber auch die Zellbiologie der Planctomyceten sei ein Fokus seiner Forschung. Um die inneren Strukturen und Zellprozesse der Bakterien zu untersuchen, nutzt Prof. Jogler hochauflösende mikroskopische und modernste Gen­sequenzierungsme­thoden — und bereichert damit die Jenaer Expertise in diesem Bereich. Unter anderem möch­te er die "Stochastic Optical Reconstruction Microscopy" — kurz STORM — in seinem neuen Jenaer Institut nutzen. Dieses hochauflösende Mikroskopieverfahren hat er bereits wäh­rend seiner Zeit als Postdoc an der Harvard Medical School in Boston kennengelernt, wo es 2006 entwickelt wurde. Jogler war 2010 bis 2012 mit einem Marie-Curie-Stipendium der Europäischen Kommission in Boston.

Weitere Stationen seines Karriereweges waren die Deutsche Sammlung von Mikroorganis­men und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig von 2012-2016, die Ludwig-Maximilians-Universität München (2007-2009) und das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen (2005-2006). Christian Jogler hat an der Universität Kaiserslautern Biologie stu­diert und wurde 2005 an der Ruhr-Universität Bochum promoviert.

Blätter des Riesentangs (Macrocystis pyrifera) vor der Küste von Monterey Bay in Kalifornien. Blätter des Riesentangs (Macrocystis pyrifera) vor der Küste von Monterey Bay in Kalifornien. Auf den Pflanzen bilden Planctomyceten in Gemeinschaft mit anderen Mikroorganismen Biofilme, die Christian Jogler mit seinem Team erforscht. Foto: Christian Jogler

Kontakt:

Christian Jogler, Univ.-Prof. Dr.
Philosophenweg 12
07743 Jena
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