Zoologische Lehrsammlung

Geschichte, Objekte, Bestand

Entwicklungsreihen unterschiedlicher Tiere, u.a. Flusskrebs, Libelle und Teichfrosch

Foto: Manuela Schmidt
Entwicklungsreihen unterschiedlicher Tiere, u.a. Flusskrebs, Libelle und Teichfrosch

Lehre an und mit Objekten ist eine Selbstverständlichkeit in den Lebenswissenschaften. "Objekte" sind manchmal Modelle, viel häufiger handelt es sich jedoch um tote oder lebende Organismen. In der Zoologischen Lehre haben sie vom Grundpraktikum im 1. Semester bis zu den fortgeschrittenen Lehrveranstaltungen im Lehramt, Bachelor oder Master ihren festen Platz. Wir vermitteln mit ihrer Hilfe nicht nur die Anatomie, Morphologie und die Lebensweisen der Tiere, sondern auch die Achtung vor dem Leben unabhängig von seinem Organisationsgrad oder seiner Komplexität.

Gewandelt hat sich über die Jahrzehnte die Nutzung von Objekten in Vorlesungen. Bilder und die digitalen Medien im Allgemeinen haben den Platz eingenommen, den vor Jahrzehnten noch große Wandbilder, aufwändig erarbeitete Lehrmodelle sowie Flüssigkeits- und Trockenpräparate auf dem Pult im Hörsaal hatten. Was wurde aus diesen Objekten? Faszinierende, kuriose und unwiederbringliche Belege für die Geschichte der biologischen Lehre, die auch zukünftig gesehen und erlebt werden sollen.

Bestand

Die Zoologische Lehrsammlung beherbergt etwa 1.500 makroskopische Objekte, von Modellen aus Wachs, Gips und Papiermaché, über Schädel und Skelette, Dermoplastiken, Dioramen bis hin zu Nasspräparaten zur Veranschaulichung von Organen und Geweben. Auch über 200 Wandtafeln sind erhalten und befinden sich aktuell in der Obhut der Sammlung Biologiedidaktik. Dafür wurden viele Dermoplastiken und Nasspräparate, u.a. wertvolle Spalteholz-Präparate von der Biologiedidaktik übernommen. Tatsächlich haben die Sammlung Biologiedidaktik, die Zoologische Lehrsammlung und die Sammlungen des Phyletischen Museums eine lange gemeinsame Geschichte, die von vielen Austauschen geprägt ist (siehe auch Markert 2015).

  • Gesprengt

    Zu den ältesten Stücken zählt dieser sogenannte Sprengschädel einer Hauskatze. Für die Herstellung füllt man Senfkörner über das Hinterhauptsloch ein und verschließt die Öffnung. In Wasser gelegt, treiben die quellenden Samenkörner die Knochen auseinander. Diese werden dann wieder in ihrer anatomischen Lage zueinander montiert. Hier wurden zusätzlich die Zahnwurzeln freilegt.

    Lehrpräparat zur Anschauung aller Knochen
    Foto: Manuela Schmidt
Slideshow Steuerung Eintrag 1 von 4
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Zur Geschichte der Zoologischen Lehrsammlung

Schon Ernst Haeckel hatte seine Studenten über die Ganoiden geprüft (Uschmann 1959), möglicherweise war dieses historisches Stopfpräparat eines Vertreters der Knochenhechte, Lepisosteus sp. zur Anschauung dabei.

Foto: Manuela Schmidt

Der Beginn der zoologischen Sammlung in Jena am Ende des 18. Jahrhunderts ist zugleich der Beginn der Lehrsammlung, denn die Objekte des "Zoologischen Kabinetts", das im Stadtschloss öffentlich zu besichtigen war, waren zugleich für die universitäre Lehre bestimmt. Es sollten besonders die einheimischen Tierarten vertreten sein: ausgestopfte Vögel und Säugetiere, Amphibien, Reptilien und Fische in Weingeist. Auch Conchylien, Insekten und Würmer kamen hinzu.

Ernst HaeckelExterner Link, der ab 1862 das aus dem Kabinett hervorgegangene Großherzogliche Zoologische Museum leitete, gestaltete im Zuge seiner eigenen Lehrtätigkeit die Sammlung neu. In seinem Jahresbericht an das Weimarische Staatsministerium von 1865/1866 (Gründung des Zoologischen Instituts) legt er die neue Aufgabe einer wissenschaftlichen Zoologie dar, "auf anatomisch-physiologischem Wege zur tieferen Erkenntnis der gesamten Organisationsverhältnisse, des sogenannten 'Bauplans' der Tiere zu gelangen." Es käme nicht länger darauf an, den Studenten möglichst viele verschiedene einzelne Arten vorzuführen, sondern "ihnen durch Vorzeigen und Hervorhebung aller typischen Formen einen geordneten Überblick über alle wesentlichen Erscheinungsformen des tierischen Lebens zu geben." (aus Uschmann, 1959). Hier begegnet uns nicht nur erstmals die Idee eines Phyletischen Museums (Gründung 1907), sondern auch das Konzept der Zoologie-Vorlesung ("Spezielle Zoologie") im 1. Semester des Biologiestudiums, wie sie bis heute durch den amtierenden Direktor des Phyletischen Museums gelesen wird. 

Historische Verzeichnisse der Lehrsammlung (links: aus der Dienstzeit Ludwig Plate, rechts: Ankäufe von 1938 bis 1944). Außerdem eine historisches Schaukästchen über die einheimischen Arten der Taufliegen Drosophila.

Foto: Manuela Schmidt

Unter dem Amtsnachfolger Haeckels, Ludwig Plate, wurde die Zoologische Sammlung vermutlich erstmals in eine Lehrsammlung und einen Sammlung für die Ausstellungen im Museum getrennt. Im Erweiterungsbau des Instituts gab es nun den Großen Hörsaal und Vorbereitungsräume für die Unterbringung der Sammlung. Dank der Wiederentdeckung des historischen Verzeichnisses von Plate  und der Liste der Ankäufe unter dem Direktorat Jürgen Harms können nun einige Objekte zeitlich genauer eingeordnet werden. Das gilt insbesondere für das menschliche Skelett, eine junge Frau, erworben 1938 (siehe dazu Grund 2015).     

Literatur und Quellen

  • Markert, M. (2015): Naturdinge. Lehre am Objekt in Botanik und Zoologie. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften Weimar.
  • Puchert, G. (2015): Die Unterrichtssammlung im Zoologischen Institut der FSU Jena. Unveröffentlicht.
  • Grund, K. (2015): Hugo - Boss der Objekte in der biologischen Lehrmittel- und Sammlungswelt. Ein kulturwissenschaftlicher Annäherungsversuch auf das Leben und den Tod. In: Markert (2015).
  • Uschmann, G. (1959): Geschichte der Zoologie und der zoologischen Anstalten in Jena 1779-1919. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena.

Kontakt

Manuela Schmidt, PD Dr.

Akademische Rätin
Phyletisches Museum
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